Erd-Charta Nordbayern e.V.
Erd-Charta Nordbayern e.V.

Entstehung

Das 20. Jahrhundert war geprägt von einer nie vorher dagewesenen Zerstörung. Zwei Weltkriege mit Abermillionen menschlichen Opfern und eine rücksichtslose Ausbeutung der Natur waren begleitet von einer Erosion aller geltenden moralischen und spirituellen Werte. Alles was machbar war, war erlaubt. Alles was machbar war – auf allen erdenklichen Gebieten, wurde ausgeführt. Der Mensch als Krone der Schöpfung hielt sich für unantastbar, glaubte, er könne die Natur unter seinen Willen zwingen.

In den 70-er und 80-er Jahren begann langsam die Einsicht heraufzudämmern, dass die Menschheit dabei war, den Ast auf dem sie selber saß, abzusägen. Mehr und mehr Menschen fanden sich in den verschiedensten Gruppierungen zusammen, um etwas gegen diese Zerstörungswut zu tun. Die Grünen, die Friedensbewegung, Greenpeace, die Menschenrechtsbewegung, Bund Naturschutz, immer lauter wurden die warnenden Stimmen, so dass sie schließlich auch Gehör auf den Regierungsebenen fanden. 

 

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 

 

1983 gründeten die Vereinten Nationen die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung mit Sitz in Genf. Ihr Auftrag war die Erstellung eines Perspektiveberichts zu einer langfristig tragfähigen und umweltschonenden Entwicklung im Weltmaßstab. 

Diese Kommission setzte sich aus 19 Bevollmächtigten aus 18 Staaten (darunter auch Deutschland) zusammen. Zur Vorsitzenden wurde die damalige Ministerpräsidentin von Norwegen, Gro Brundtland gewählt. Ab 1988 wechselte der Vorsitz dann jährlich. Diese Kommission veröffentlichte 1987 ihren als Brundtland-Report bekannt gewordenen Zukunftsbericht „Our Common Future“.

Er wurde auf zwei internationalen Konferenzen in London und Mailand ausführlich diskutiert und führte schließlich zur Einberufung der Umweltkonferenz von Rio de Janeiro im Jahre 1992. 

In diesem Bericht wurde zum ersten Mal vorgeschlagen eine allgemeinverbindliche Erklärung zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu schaffen, und zwar in Form einer Charta mit Leitlinien, um die Nationen auf ihrem Weg in eine nachhaltige Zukunft zu begleiten. Wegweisend ist dieser Bericht vor allem deshalb, weil zum ersten mal die Problembereiche der Welt nicht mehr getrennt betrachtet werden, sondern die Interdependenz der Lebensbereiche aufgezeigt wird. 

 

Die Konferenz von Rio

Maurice Strong, der Generalsekretär des Weltgipfels von 1992, schlug deshalb bereits 1990 vor, dass der Weltgipfel eine Erd-Charta entwerfen und annehmen sollte. Es wurden zwar Konsultationen zwischen den Regierungen zum Thema aufgenommen, aber eine Einigung auf eine gemeinsame Charta konnte nicht erzielt werden. Die „Rio Erklärung über Umwelt und Entwicklung“ mit ihren 27 Grundsätzen, auf die sich der Gipfel schließlich einigte, enthält entsprechend zwar einen lobenswerten Ansatz, war aber von einem rechtsverbindlichen Dokument weit entfernt.

Der  UNCED (Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung ) fand vom 3.-14. Juni statt. Sie war seit 1972 die erste internationale Konferenz, die Umweltfragen im globalen Rahmen diskutierte. An ihr nahmen auch 2400 Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen teil, weitere 17000 Menschen beteiligten sich am parallel stattfindenden NGO (Non Governmental Organisations) – Forum.

 

Agenda 21

Was 1992 auf den Weg geschickt wurde, war die Agenda 21, ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Sie umfasst 359 Seiten und besteht aus 40 Kapiteln, mit dem Schwerpunkt auf sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung, Erhaltung der Ressourcen und Stärkung wichtiger Gruppen. Die Agenda 21 sollte vor allem auf der lokalen Ebene umgesetzt werden, d.h. es sollten in den Gemeinden lokale Programme für die Umsetzung der Agenda 21 Ziele erarbeitet werden. Die Agenda 21 wird von allen politischen Lagern kritisiert, weil Anspruch und Wirklichkeit meistens weit auseinander klaffen. So wird zwar die Bürgerbeteiligung propagiert, tatsächlich stößt sie aber in der Bevölkerung nur auf mäßige Resonanz.

Im Nachgang von 1992 wurde der sogenannte Rat der Erde (Earth Council) mit Maurice Strong als Vorsitzendem gegründet. Zusammen mit Mikhail Gorbatschov in seiner Eigenschaft als Präsident des Internationalen Grünen Kreuzes startete Maurice Strong eine neue Initiative zur Erarbeitung einer allgemein verbindlichen Erdcharta. Unterstützung erhielten sie von Königin Beatrix und der Niederländischen Regierung, die auch die nötige finanzielle Unterstützung gaben. Das Projekt sollte als zivile Initiative geführt werden und eine Charta entwerfen, die den Konsens einer globalen zivilen Gesellschaft über die Werte und Prinzipien einer nachhaltigen Zukunft artikuliert.

1995 begann eine neuer Konsulationsprozess mit Mohamed Sahnoun von Algerien als Geschäftsführer des Erd-Charta-Projekts. In Costa Rica, dem Sitz des Earth Council wurde eine Geschäftsstelle für die Erdcharta eingerichtet, und 1996 wurde Mirian Vilela die Koordinatorin für die Erdchartaaktivitäten. Eine 23-köpfige Kommission mit Mitgliedern aus allen Teilen der Erde, die die Entwurfsphase überwachen sollte, wurde eingerichtet, Strong und Gorbatchov übernahmen gleichberechtigt den Vorsitz. Die Kommssion beauftragte Stephen C. Rockefeller, einen Professor für Religion und Ethik aus den USA, ein internationales Komitee zu bilden und mit diesem einen Entwurf für eine Erd-Charta vorzulegen. Der Entwurfsprozess begann 1997 und dauerte 3 Jahre. Während dieser Phase wurden 45 nationale

Erd-Charta Kommittes gebildet und Gespräche wurden weltweit – auch on-line – geführt. Konferenzen fanden in Asien, Afrika, USA, Südamerika, und Europa statt. Das Komitee durchforstete alle international relevanten Erklärungen und Verträge und mehr als 200 zivilrechtliche Erklärungen und völkerrechtliche Abkommen.

 

 

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